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Im ​Mittelpunkt von Bernhard Schlinks Roman “Der Vorleser” steht die Liebesgeschichte zwischendem anfangs noch 15-jährigen Gymnasiasten Michael Berg und der 20 Jahre älteren Hanna Schmitz. Die beiden treffen sich heimlich und entwickeln dabei nach kurzer Zeit ein Ritual, das der zunächst rein körperlichen Beziehung eine tiefere Ebene gibt: Hanna lässt sich von Michael immer vorlesen, bevor sie miteinander schlafen. Trotzdem erfährt Michael wenig über Hannas Vergangenheit und eines Tages verschwindet sie aus der Stadt, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Erst einige Jahre später trifft Michael sie wieder: Als Jurastudent besucht er einen Auschwitz-Prozess, wo Hanna mit anderen ehemaligen KZ-Aufseherinnen unter Anklage steht. Ihre Mitangeklagten schieben Hanna die Schuld für ein grauenhaftes, schriftlich dokumentiertes Verbrechen zu und Hanna verteidigt sich sehr ungeschickt. Erst jetzt erkennt Michael den Grund dafür: Hanna ist Analphabetin. Aus Scham verheimlicht sie das auch im Prozess und wird zu 18 Jahren Haft verurteilt, während ihre Mitangeklagten nur kurze Freiheitsstrafen bekommen. Michael hätte ihr das ersparen können, indem er ihr Geheimnis enthüllt hätte, aber er ist selbst von seinen Gefühlen hin-und hergerissen.

Später versucht er, seine widersprüchlichen Gefühlen zu ordnen, indem er Hanna regelmäßig Kassetten ins Gefängnis schickt, auf denen er ihr Weltliteratur vorliest. Durch diese Kassetten bringt Hanna sich selbst das Lesen und Schreiben bei und fängt an, sich mit den Verbrechen der Nazis auseinanderzusetzen. Schließlich schreibt sie Michael einen Brief, aber er antwortet nie. Nach 18 Jahren Haft, am Tag vor ihrer Entlassung, nimmt sie sich das Leben. Für Michael hinterlässt sie eine Aufgabe, die schließlich dazu führt, dass er sich öffnen kann, und als er seiner Tochter, zu der er bisher ein sehr distanziertes Verhältnis hatte, seine Geschichte erzählt, kann sein eigener Schmerz heilen.

Mit dem Roman “Der Vorleser” gelang Berhard Schlink ein internationaler Erfolg: Der Roman wurde in 27 Sprachen übersetzt und erreichte eine Millionenauflage. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter den Hans-Fallada-Preis, den Prix Laure Bataillon, den WELT-Literaturpreis der Zeitschrift “Die Welt”, den Evangelischen Buchpreis und den Eeva-Joenpelto-Preis aus Finnland. Der Roman erreichte Platz 14 auf der Liste der ZDF-Lieblingbücher 2004, in die Bestseller-Charts von Amazon und war der erste deutsche Roman, der Platz 1 der Bestseller-Liste der New York Times erreichte.

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